laudatio

Ergenzingers Übersetzung komplexer technischer Prozesse in eine ungewöhnliche abstrakte Bildsprache haben die Preisjury überzeugt. Sie beschäftigt sich mit dem Verhältnis von körperlicher Wahrnehmung und architektonischem oder städtischem Raum. Dies führt sie zu Installationen, Zeichnungen, Hologrammen und Scherenschnitten, die zwischen Rezipient und Werk interagieren.

Besonders hervorzuheben sind die Installationen „Studie zur Seh_n_sucht“, die zuletzt in einer Einzelausstellung in der Simultanhalle Köln zu besichtigen war, oder „…◦W/…◦O keingradwestundkeingradost“, die auf eigens entwickelten Apparaturen basieren.

Erstere kann als eine kinetische Skulptur und assoziative Landschaftssimulation beschrieben werden, die Berg- und Bodenformationen als Projektionsflächen der menschlichen Wahrnehmung erforscht. Mittels eines selbstgebauten Seismographen werden Erderschütterungen und Bewegungen im Raum gemessen und über so genannte Muskeldrähte in die Bodenskulptur aus schwarz-grauen Polymerschaummatten übertragen. Die Installation verändert stets ihre Form und man hat den Eindruck, die Arbeit würde verlebendigt.

Gleichzeitig scheint es, die Skulpturen würden mit dem Betrachter kommunizieren. Die Verbindung von selbstgebauten Apparaturen und klassischen künstlerischen Medien wie Zeichnung oder Scherenschnitt entmystifiziert dabei jegliche Form künstlerischer Autorschaft und dienen der Bewusstwerdung bestimmter uns alltäglich umgebender Mechanismen.

Für die zweite Installation „.◦W/…◦O keingradwestundkeingradost“, 2005, die bereits in der Kunsthalle Lund 2006 gezeigt wurde, hat die Künstlerin eine Lichtzeichenmaschine gebaut, die Lichtlinien durch einen Schlitz in einen abgeschlossenen Raumkubus projiziert und durch ihre Bewegung eine sich verändernde geometrische Lichtzeichnung erzeugt. Mit einfachen Mitteln erzeugt sie eine Arbeit, die sich jeder eindeutigen Zuordnung in die Kategorie Lichtskulptur in der Nachfolge Dan Flavins oder der klassischen Zeichnung entzieht und eine Raumsituation schafft, in der der Betrachter mit der „Differenz von körperlicher Wahrnehmung und optischer Erscheinung“ (Zitat Kerstin Ergenzinger) konfrontiert wird.

Kathrin Jentjens, Jurymitglied.


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