laudatio

Die Arbeiten der in Köln lebenden und arbeitenden, 1975 in Reutlingen geborenen Künstlerin zeichnen sich durch eine souveräne Beherrschung medienkünstlerischer Möglichkeiten aus.

Ihre Installationen sind im wahrsten Sinne des Wortes Augenöffner, Sehschulen der Moderne. Ihre Themen kreisen um Ereignisse und Gegebenheiten, die uns in den Alltag involvieren und unsere Handlungen strukturieren, um uns das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.

Die Arbeiten Kerstin Ergenzingers konfrontieren uns mit der Instabilität dieses Erlebens, zeigen uns die Bedingtheit unseres Vorstellungsvermögens auf und erinnern daran, dass jedem Werden ein Vergehen folgt.

Diese dialektische Spannung zeigt sich beispielhaft und augenfällig in ihrem Projekt „Studie zur Seh_N_Sucht“, einer Installation aus dem Jahr 2007 in der Kölner Simultanhalle. Mit verschiedenen Materialien, u.a. Schaumfolien und Seismograph, werden Berg- und Bodenformationen simuliert und in Bewegung gebracht. Sie dienen als Projektionsflächen menschlicher Wahrnehmung, um diese selbst in Frage stellen zu können.

Denn die Interpretation unserer Umwelt, so die Künstlerin, werde von der Sehnsucht nach einer stabilen Basis, nach einem festen Bild von der Welt geprägt. Die dabei entstehen Wahrnehmungskonstrukte würden auf diese Weise selbst Grundlage menschlicher Orientierung. Welt und Weltwahrnehmung bilden somit letztlich einen fiktionalen Zusammenhang.

Man spürt in den Arbeiten Kerstin Ergenzingers die vorausgegangenen gründlichen, in Zeichnungen festgehaltenen Reflexionen. Denn: „Zeichnen/Zeichen machen heißt Gleise legen, Wege für das betrachtende Auge bahnen“. Diesem eigenen Anspruch werden die Arbeiten der Künstlerin umfassend gerecht.


back to list>>