Rotes Rauschen
spacial.seismometer.and.sculptural.sense.organ

kinetic.reactiv.installation
2012
in cooperation with Thom Laepple

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Rotes Rauschen* verbindet ein bewegliches, skulpturales Objekt mit einem Seismometer. Die Installation vermisst und übersetzt gleichermaßen feine Bodenerschütterungen, die den Erdboden als mikroseismische Aktivitäten kontinuierlich durchziehen und ihn in einen steten Unruhezustand versetzen. Ebenso reagiert die Skulptur auf Bodenbewegungen, welche durch die Betrachter_innen verursacht werden, die bei ihrem Eintreten die Gewichtsverteilung im Raum verschieben.

An die Senkrechte einer Wand im Ausstellungsraum ist das umgelenkte Pendel eines Seismometers angebracht, dessen horizontale Basis die Bodenfläche ist. Im Zentrum schwingt, balanciert und pendelt die kinetische Skulptur, die als Waage über Umlenkrollen mit einem ihr entsprechenden Gegengewicht aufgehängt ist.

Das skulpturale Objekt bildet einen gekrümmten Körper, der, obwohl technoid, wie ein getrocknetes Blatt oder abgeschälte Baumrinde, an etwas unbestimmbar Natürliches denken lässt. Es wird durch drei um den Schwerpunkt angebrachte, gleichlange Nitinoldrähte bewegt. Diese verkürzen und dehnen sich analog zu den empfangenen Signalen aus bzw. ziehen sich wieder zusammen. Die dünne EPP-Schalung biegt sich durch die Kontraktion der Drähte, rollt sich zusammen oder streckt sich nach außen, wobei sie Töne erzeugen, die durch den Resonanzraum der Skulptur verstärkt werden.

Auf diese Weise übersetzt Rotes Rauschen die gemessenen Bodenschwingungen in Bewegung und Geräusche, die sie für uns erst erfahrbar machen. Ähnlich einem Ohr horcht die Skulptur in den Raum hinein, erkundet und reflektiert seine Verfasstheit. Dabei verbindet sie lokale und globale Impulse miteinander, wodurch Raum und Ortsspezifik aus einer örtlich beschränkten Vorstellung gelöst und in einen übergeordneten Kontext eingebettet werden.
*rotes Rauschen, z.B. mikroseismische Schwingungen oder Infrasounds, ist eine Eigenschaft natürlicher Phänomene, in denen niedrige, langsame, Frequenzen stärker ausgeprägt sind als im gleichmäßig verteilten weißen Rauschen.

Entwicklung der Hardware, sowie Entwurf und Realisierung der Software zur Datenanalyse und Steuerung der Skulptur: Thom Laepple

Dimension und Material
Skulptur ~270 x 70 x 50 cm; Expandiertes Polypropylen, Nitinoldraht1, Silikon, Karbon, Pigment, Waage und Seismometer: Aluminium, Kupfer, Messing, Stahl, diverse Materialien, Steuer- und Leistungseinheit

produziert mit dem Stipendium für Medienkünstlerinnen des Ministeriums für Familie, Kinder, Kultur und Sport des Landes NRW,
betreut und unterstützt vomHMKV Hartware MedienKunstverein Dortmund, besonderer Dank: Inke Arns, Andrea Eichardt, Uwe Gorski, Frauke Hoffschulte, Mirjam Laker, Fabian Saavedra-Lara und Robin!
sowie mit freundlicher Unterstützung von Stefan Niermann igus GmbHDYNALLOY und Dynalloy, Inc.DYNALLOY

Unterstützung der Produktion Rotes Rauschen in "States of Being":
Edith-Russ-Haus für Medienkunst